Projektbeschreibung

Die Anlage des „Franziszeischen Katasters“ mit seinen fiskalischen, rechtlichen und politischen Zielsetzungen stellte den Versuch dar, die Provinzen der Länderunion zu einem einheitlichen Rechtsraum im Hinblick auf Bodenbewertung und Steuerwesen zusammen zu fassen. Als wesentlicher Teil der Entstehung eines mehr oder weniger einheitlichen Großwirtschaftsraumes ist die „Franziszeische Landesaufnahme“ in Verbindung mit dem „Kataster“ und der „Bodenbewertung“ mit dem Ziel der nicht zustande gekommenen „Steuerschätzung“ als Unternehmung zu sehen, eine Großregion wirtschaftlich, administrativ und rechtlich neu zu gestalten. Damit war der Kataster ein wesentlicher Schritt zum „modernen Staat“ – im Falle der Habsburgermonarchie allerdings ohne und gegen das am Anfang des 19. Jahrhunderts aktuelle ideelle Unterstützungskonzept des Nationalismus.

In dieser seiner politisch-gesamtstaatlichen Bedeutung ist der Kataster seitens der Forschung bis heute weitgehend ignoriert worden, er findet daher auch in den Gesamt­darstellungen zur österreichischen Verwaltungs-, Wirt­schafts- und Sozialgeschichte kaum angemessene Berücksichtigung. Die fehlende editorische Erschließung des Katasters als Quelle für vergleichende Studien ist ein Manko, dessen Behebung der Forschung mit einer mitteleuropäischen Perspektive neue Impulse verleihen soll.

Das Projekt stellt sich der methodischen Herausforderung der wissenschaftlichen Edition einer immens umfang­reichen und vielschichtigen kartographisch-statistischen Quelle. Es handelt sich für Schlesien um 124 Steuerbezirke mit insgesamt 582 Katastralgemeinden. Dieses Datenset soll so organisiert werden, dass es für verschiedene For­schungsfelder zugänglich und auswertbar wird. Als solche sind neben der zentralen Agrargeschichte folgende Forschungsfelder hervorzuheben: Verwaltungsgeschichte, Ernährungs­geschichte, Klimageschichte, Flur- und Ortsnamen­forschung, Siedlungs- und Verkehrsgeschichte, Historische Demographie, Ökologie. Nicht als generelles methodisches Postulat, sondern aus dem Gegenstand selbst ergibt sich ein Höchstmaß an historisch-sozialwissenschaftlicher Interdisziplinarität.